Wissen, Empathie und Engagement für Heimkinder

Uplift-Mutter mit ihrem Schützling beim Spielen

Uplift-Mütter I

Du bist da und ich bin da. Und: du bist wichtig!


Es ist kein Geheimnis, dass es für die gesunde Entwicklung eines Kindes mehr als ein Dach über dem Kopf, gute Ernährung und medizinische Versorgung braucht. Liebevolle Zuwendung, Bindungserfahrung und das Gefühl, so wie man ist, willkommen zu sein, diese Faktoren sind für ein gelingendes Leben entscheidend, insbesondere dann, wenn ein Kind ohne Familie aufwachsen muss.

Wie gravierend die Folgen von Vernachlässigungen sind, dazu gibt es zahlreiche Studien und wissenschaftliche Erkenntnisse. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass die meisten durch starke Vernachlässigung im Säuglings- und Kleinkindalter verursachten Schädigungen irreversibel und so schwerwiegend sind, dass die Betroffenen lebenslang damit zu tun haben.
Eine andere, für uns von Uplift sehr hoffnungsstimmende Erkenntnis ist, dass diese Schädigungen weitgehend vermeidbar sind. Unsere Erfahrungen und Arbeitsergebnisse zeigen, dass durch systematische frühe Interventionen den Kindern das gegeben werden kann, was sie dringend für eine gute Entwicklung brauchen: liebevolle Zuwendung, therapeutische Unterstützung und vor allem einen Menschen an ihrer Seite.
Mehr als andere brauchen Heimkinder diesen Menschen, der verlässlich für sie oder ihn da ist. Eine Bezugsperson, die ihnen ungeteilte Aufmerksamkeit und Zuwendung gibt. Jedes Kind hat einen Namen, bei dem es gerufen werden möchte. Jedes Kind möchte getröstet werden.
Liebkosen, ansprechen, zuhören, spielen, füttern, baden, vielleicht auch eine Massage oder ein kleiner Tanz?! Die Hauptfigur bei Uplift ist immer das Kind. Es steht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Nicht immerzu, aber - in der Regel - täglich. Nicht den ganzen Tag, aber eine verlässliche Stunde am Tag.
In dieser Zeit ist die Uplift-Mutter für das Kind da. Und was machen die Kinder? Sie fassen Vertrauen, tauchen allmählich auf aus der Tiefe der Apathie, die sie bisher vor Enttäuschungen geschützt hat. Sie tauschen die Leere gegen Zuversicht. Denn es lohnt sich zu warten:

Ich bin wichtig, ich bin richtig. Und ich darf auch mal aus der Reihe tanzen.

Meine Uplift-Mutter wird kommen und bei mir sein. Sie wird ein bisschen mit mir schimpfen und mich dann wieder in den Arm nehmen. Ich erkenne sie schon von weitem an ihrer Stimme, am Rhythmus ihrer Schritte.


Und was passiert mit den Frauen, den Uplift-Müttern, die den Schwächsten in der Gesellschaft buchstäblich auf die Beine helfen? Sie erleben, dass durch ihr Zutun und ihre Leidenschaft sich die schicksalhafte Lage der Kinder maßgeblich verändert. Diese Frauen werden stark und selbstbewusst. Denn sie erleben sich als Motor für eine gute Entwicklung der Kinder und geben diesen damit eine sehr wichtige Chance, die die entscheidende Wendung bringt: das Heim zu verlassen und von einer Familie adoptiert zu werden.


Uplift-Mütter II

Frauen helfen Kindern - Kinder helfen Frauen
Von Berührung, Therapie und Kompetenzentwicklung


Uplift-Mütter sind keine medizinischen oder therapeutischen Fachleute. Sie sind vielmehr ganz normale Frauen aus der Nachbarschaft, die im ländlichen Raum in der Nähe der Heime wohnen. Für ihre Aufgabe, die liebevolle Fürsorge von Heimkindern, bringen sie jedoch die wesentlichsten Voraussetzungen mit: Herz und Verstand. Sie sind selbst engagierte Mütter, kennen sich mit Mangel und Not bestens aus und haben auch fast immer Erfahrung mit kranken und behinderten Menschen. Wenn sie Uplift-Mütter werden, dann verstehen sie ihre so wichtige Aufgabe weniger als Broterwerb, denn als eine Berufung. Durch Kontakt und Verbindung mit dem Kind entwickeln die Frauen ein Gespür für die individuellen mentalen und physischen Bedürfnisse des Kindes und dafür das, was es bedeutet in einem Heim aufzuwachsen.
Sie erkennen das Potential der Kinder und stoßen gleichermaßen an ihre eigenen Grenzen – die Grenzen dessen, was sie bewegen können. Liebevolle Zuwendung und Zeit für die Kinder ist die Grundvoraussetzung für jegliche gute Entwicklung, aber was kann man tun, wenn die Kinder therapeutische Förderung und Begleitung brauchen und man nicht auf kompetentes ausreichend ausgebildetes Pflegepersonal zurückgreifen kann?!

Die Antwort lautet: Kompetenzentwicklung. Durch praktische und theoretische Ausbildungseinheiten werden die Uplift-Mütter regelmäßig geschult. Zur Grundausbildung aller gehört eine Einheit zum Thema Berührung. Die Uplift-Mütter werden in Babymassage geschult, ein für junge Heimkinder besonders wichtiger Ansatz, den Alexandra Walz ab 2003 in kirgisischen Waisenhäusern unterrichtet und verbreitet hat. Zusätzlich geht es um mehr spezifisches Wissen, vor allem in der Physiotherapie.
Kinder mit besonderen Bedürfnissen benötigen so schnell und so früh wie möglich fachkundige therapeutische Unterstützung. Hier werden die Uplift-Mütter im Training on the Job von internationalen Fachleuten stetig in Theorie und Praxis weitergebildet, um Kinder buchstäblich auf die Beine zu bringen.


Uplift-Mütter III

Als Multiplikatoren weiter wirken


Einige der langjährig erfahrenen Uplift-Mütter werden nach dem intensiven Training on the Job zusätzlich eingesetzt, um ihr Wissen und ihre Erfahrung weiterzutragen. Sie sind als sogenannte Uplift-Multiplikatorinnen beratend-therapeutisch für Kinder und Eltern in Kindergärten, für Selbsthilfe-Gruppen und bei betroffenen Familien zu Hause aktiv. Zusammen mit den Fachleuten trainieren sie außerdem weniger erfahrene Uplift-Mütter und auch das Personal im Kinderheim sowie weitere weniger erfahrene Uplift-Mütter. Sie nehmen laufend an wichtigen Fortbildungen teil und bringen so mehr und mehr Wissen ins Land.


Erfolge des Uplift-Mutter-Programms

Mit dem Uplift-Mutter-Programm und seinem Ansatz der systematisch frühen Förderung erreichen wir eine durchgreifend positive Wirkung auf die betreuten Kinder im Heim. Es wird sichtbar, dass der Einsatz der engagierten Uplift-Mütter nachhaltig wirkt und weitere Kreise im Sinne einer zivilgesellschaftlichen Entwicklung zieht. Die Uplift-Mütter begreifen die Erfahrung, die sie durch das gemeinsame Wirken und die Schulungen erleben, als großen Wert, der sie auch in ihrer privaten Haltung und ihrem individuellen Handeln prägt. Sie verstehen sich als Multiplikatorinnen und Trägerinnen nicht nur des Uplift-Mutter-Programms, sondern eines tragfähigen Modells, das seine Wirkung bis hinein in die Gesellschaft zeigt.


Das Gehalt einer Uplift-Mutter beträgt monatlich 110 €. Unser Verein finanziert dies über Patenschaften und Einzelspenden.

 

Das Uplift-Mutter-Programm in Zahlen (Stand: Juli 2017)

  • Betreute Kinder (Betreuungsplätze) seit 2009: 2.800
  • Uplift-Mütter und Programm-Experten: 35
  • Heime: 4
top