Wissen multiplizieren – Kompetenzen nachhaltig aufbauen

Während eines Trainings mit Uplift

Das Programm «Wissen multiplizieren» ist ein Ergebnis unserer langjährigen Erfahrung in der Arbeit mit besonders hilfsbedürftigen Kindern in Kinderheimen, Rehabilitationseinrichtungen sowie Krankenhäusern in Kirgistan. Es leistet einen entscheidenden Beitrag für eine verbesserte multidisziplinäre Behandlung der Kinder. In diesem Rahmen bilden wir Fachleute im Land aus und führen in für Kirgistan bislang unbekannte Behandlungsmethoden ein, die das bedürftige Kind als Persönlichkeit mit seinen individuellen Fähigkeiten in den Fokus nehmen.

Zum Beispiel «Physiotherapie»

Zum Hintergrund: Viele Eltern bedürftiger Kinder mit Erkrankungen des Bewegungsapparates oder Nervensystems (Diagnosen wie Cerebralparese, Spina Bifida oder Trisomie 21) stoßen auf große Schwierigkeiten, wenn sie für ihr Kind nach einer passenden Behandlungsmöglichkeit in Kirgistan suchen. Es gibt eine Vielzahl von Methoden, die jedoch weder auf der Höhe der medizinischen Entwicklung noch effektiv sind. Nicht selten sind sie sogar kontraproduktiv. Bis heute gibt es keine systematische Ausbildung in der Physiotherapie. Spezialisierte Behandlungen wie Bobath oder Feldenkrais-Therapie, die für die Förderung der betroffenen Kinder wichtig wären, sind nicht oder nur kaum bekannt. Wer es sich leisten kann, nimmt kostspielige Auslandsaufenthalte auf sich, um sein Kind außerhalb Kirgistans behandeln zu lassen. Die Anderen bleiben in einer Odyssee der ewig andauernden Hilfesuche zurück. Zwar kommen medizinische Spezialisten aus dem Ausland kurzeitig auch nach Kirgistan und behandeln bedürftige Menschen, doch wenn sie wieder gehen, kann die angefangene Behandlung nicht fortgeführt werden.
Hier wird deutlich, wo das grundlegende Problem liegt: Kirgistan braucht eigenes kompetentes Fachpersonal. Bildung, Ausbildung und Kompetenzausbau sind der Schüssel für ein integratives Gesundheitssystem, nicht nur in der Hauptstadt, sondern im ganzen Land. Hier leistet Uplift einen wichtigen Beitrag.

Kompetenzaufbau durch systematisches Training und Multiplikatoren

Wir setzen auf regelmäßige Fortbildungen/Trainings in Theorie und Praxis. Zielgruppe sind Ärzte, Therapeuten sowie «Paraprofessionelle», die eine entsprechende Vorbildung und Erfahrung in der Arbeit mit beeinträchtigten Kindern mitbringen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus verschiedenen Einrichtungen des Landes und tragen das erlernte Wissen als Multiplikatoren in ihre Einrichtungen und eigenen Netzwerke zurück. Ein hervorragendes Beispiel dafür sind insbesondere ausgewählte Uplift-Mütter, die wir über die letzten acht Jahre intensiv geschult haben, so dass sie an anspruchsvollen Fortbildungen dieser Art teilnehmen können.

So werden aus Uplift-Müttern Uplift-Multiplikatorinnen. Sie schulen in ihrem Umfeld andere Uplift-Mütter, Heimpersonal und weitere Akteure, die mit beeinträchtigen Kindern und ihren Familien arbeiten, wie beispielsweise die Leiterin einer Selbsthilfegruppe. Außerdem führen sie als Co-Trainerinnen mit unseren internationalen Fachleuten Seminare in ihrem Umfeld durch. 

Körpertherapie mit Aspekten der Bobath-Methode

Im Frühjahr 2016 starteten wir in Zusammenarbeit mit dem staatlichen nationalen Zentrum zum Schutz für Mutter und Kind mit einem Fortbildungstraining, in dem Aspekte der Bobath-Therapie aufgenommen werden. Das Training umfasst vier Module in Theorie und Praxis und läuft über zwei Jahre. Zur Festigung und zum Ausbau des Erlernten sind weitere Fortbildungseinheiten geplant. Schulungsort ist das zentrale Kinderkrankenhaus in Bischkek, in dem Kinder aus dem ganzen Land behandelt werden. An dieser Fortbildung nehmen insgesamt 20 Fachleute aus ganz Kirgistan teil. Die Trainerinnen sind Physiotherapeutinnen aus Europa, die langjährige Erfahrung in der Rehabilitation, vor allen auch mit Kindern, mitbringen und sich bei Uplift ehrenamtlich engagieren. Das Programm wird über den Senior Expert Service unterstützt.

Neue Behandlungsmethoden schaffen neue Perspektiven

Jeder Teilnehmer geht mit neuem Wissen und Erfahrungen in seine Einrichtung zurück: ein Krankenhaus, eine Rehabilitationseinrichtung oder, wie beispielsweise die Uplift-Mütter, in ein Kinderheim. Sie bringen nicht nur neues Wissen mit, sondern auch eine neue Sichtweise, die einen Perspektivenwechsel einleitet. Ging es bei den «alten» Behandlungsmethoden eher um eine defizitorientierte Sichtweise, darum das Kind mit seinen Defiziten zu «problematisieren» und isoliert zu behandeln, so geht es bei den neuen Ansätzen darum, die Fähigkeiten und Ressourcen der Kinder zu erkennen und zu entwickeln. So wird der Fokus auf das Entwicklungspotential gelegt, auf das die individuelle Therapie aufbauen kann. 

Als weitere wichtige Neuerung werden die Eltern und Geschwister bzw. Betreuungspersonen des bedürftigen Kindes in den Behandlungsprozess aktiv mit einbezogen. Die Eltern lernen, mit dem Kind in eine neue Form der Interaktion zu gehen und erfahren, dass in der Regel vielmehr möglich ist als bisher angenommen wurde. Die Erfahrung der Selbstwirksamkeit hat auch unter erschwerten Bedingungen weit reichende Auswirkungen. Das Kind wird als wertvolles Mitglied nicht nur seiner Familie sondern auch in seiner weiteren Umgebung anerkannt und bleibt nicht isoliert und als Belastung außen vor. 

Um einen solch grundlegenden Perspektivenwechsel zu vollziehen, braucht es viel Zeit und Mut. Die Behandelnden, die Eltern und Betreuer gehen diesen Prozess des Umdenkens gemeinsam. Manchmal sind anfängliche Bedenken zu überwinden, jedoch geben die ersten Erfolge der Behandlung Aufwind und den Beteiligten die Energie, weiter zu gehen.Wir sehen es als unsere Aufgabe, genau an diesem Hebel anzusetzen, mit Erfahrung und Wissen zu ermutigen und zu begleiten. 

Zum Beispiel Logotherapie

Nicht nur der Bereich der Physiotherapie ist in Kirgistan entwicklungsbedürftig. Das Gleiche gilt für die Logotherapie. Ab Dezember 2017 starten wir ein zweijähriges Programm mit vier Modulen zur Fortbildung von Fachleuten aus dem ganzen Land.  Wir freuen uns, damit eine weitere Verbesserung der Behandlung von bedürftigen Kindern in Kirgistan zu ermöglichen. 

top